Aus dem Leben eines Taugenichts

 

ZUM AUTOR
 

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 in Schlesien auf Schloß Lubowitz als
Sohn eines preußischen Offiziers geboren. Seine Familie war eine alte, dem Katholizismus verbundene
Adelsfamilie. Er wurde von Jesuiten erzogen, bis er 1801 in das Matthias-Gymnasium in Breslau eintrat. 1805
begann er ein juristisches und philosophisches Studium in Halle, das er 1807 in Heidelberg fortsetzte. Dort
lernte er den jungen, romantischen Dichter Graf Löben kennen. Mit einer Bildungsreise nach Paris und Wien
schloß er 1808 sein Studium ab und kehrte im Sommer nach Lubowitz zurück, um seinen Vater als "Ökonom"
zu unterstützen. 1809 reiste Eichendorff nach Berlin, wo er die Bekanntschaft von C. Brentano und von Kleist
machte. Ein Jahr später erfolgte der endgültige Abschied von Lubowitz, und er zog nach Wien, wo der Wiener
Romantikerkreis entstand. 1811 fand Eichendorff engen Anschluß an die Familie Schlegel, nachdem er seine
Referendarprüfung absolviert hatte. Er meldete sich 1813 zum freiwilligen Kriegsdienst und kämpfte als
lützowscher Jäger im Befreiungskrieg. Nach dem Krieg heiratete er Luise von Larisch (geboren 1792), die ihm
noch im selben Jahr seinen ersten Sohn, Hermann, gebar. Zwei Jahre später folgte seine Tochter Therese.
1819 bestand Eichendorff die große Staatsprüfung mit Auszeichnung und erhielt seine Berufung in das
Kultusministerium nach Berlin. Gleichzeitig wurde sein zweiter Sohn Rudolph geboren. Seine Frau bekam noch
zwei weitere Töchter, von denen die erste, Agnes (geboren 1821), aber nur ein Jahr und die zweite, Anna
(geboren 1830), nur zwei Jahre lebte. 1837 schrieb er die Novelle "Das Schloß Dürande". Als Folge eines
Konfliktes mit dem Minister wurde Eichendorff 1844 pensioniert. Nach mehreren Umzügen und dem Tod seiner
Gattin siedelte er schließlich 1855 nach Neisse um, wo er zwei Jahre später an einer Lungenentzündung starb.
 
- Zurück zur Startseite


INHALTSANGABE "AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS"
 

Die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Joseph von Eichendorff, der als volkstümlicher
Romantiker gilt, ist 1826 erschienen. Sie handelt von einem jungen Mann, der Taugenichts genannt wird.
Dieser sucht die Ferne und landet alsbald auf einem Schloß, wo er sich bei Hofe in eine Frau verliebt, die er
aber für unerreichbar hält. Deshalb setzt er seine Wanderung fort.
Als er jedoch Sehnsucht nach ihr hat, kehrt er wieder zum Schloß zurück. Sie gesteht ihm ihre Liebe und kurz
darauf heiraten sie.

Ein Vater schickt seinen Sohn, den er Taugenichts nennt, in die weite Welt hinaus, da der Sohn zu Hause dem
Vater die ganze Arbeit allein überläßt. Der Sohn nimmt seine Geige und verläßt sein Dorf, ohne ein Ziel vor
Augen zu haben. Schon bald hält ein Reisewagen, in dem zwei Damen sitzen, neben ihm an, da die beiden
Gefallen an seiner Musik finden. Sie nehmen ihn mit auf ihr Schloß, nahe Wien, wo er sofort als Gärtnerbursche
eingestellt wird. Einige Tage darauf verliebt er sich in die jüngere der beiden Damen.
Von der Herrschaft wird er wegen seiner besonderen Meriten und seines guten Auftretens als Zolleinnehmer
eingesetzt. Er beschließt, das Reisen aufzugeben und Geld zu sparen, um es zu etwas Großem zu bringen. Er
freundet sich mit dem Portier des Schlosses an. Eines Tages sieht der Taugenichts seine "allerschönste Frau"
mit einem Offizier auf einem Balkon. Daraufhin packt er seine Sachen und verläßt das Schloß, da sie ihm jetzt
noch unerreichbarer vorkommt. Der Taugenichts wandert nach Italien. Auf dem Weg dorthin macht er Station in
einem kleinen Dorf. Er sitzt vor einem Wirtshaus, vor dem plötzlich auch zwei Reiter auftauchen, die der
Taugenichts für Räuber hält. Die beiden verlangen von ihm, daß er sie zum Dorf B. führen solle, woraufhin sie
gemeinsam aufbrechen.
Als die beiden den Taugenichts morgens erkennen, geben sie sich als zwei Maler aus: Herr Leonard und Herr
Guido. Die drei setzen ihre Reise nach Italien zusammen fort. Die Reisenden sind Tag und Nacht
unterwegs. Eines Tages übernachten sie in einem Wirtshaus. Als der Taugenichts seine Begleiter am nächsten
Tag wecken will, findet er nur ein leeres Zimmer vor, in dem ein voller Geldbeutel liegt, der für den Taugenichts
bestimmt ist. Bald darauf drängt der Postillon zur Weiterfahrt, und deshalb springt der Taugenichts allein in den
Wagen. Die Fahrt geht weiter, bis sie ein Schloß erreichen, wo eine alte Frau und ein hagerer Mann den
Jüngling empfangen.

Dort wird er nach einem reichen Mahl in ein prächtiges Zimmer geführt. Bei Hofe kann er ein Leben führen, "wie
sich's ein Mensch nur immer in der Welt wünschen kann". Eines Tages erhält der Taugenichts einen Brief von
seiner "allerschönsten Frau", die ihn bittet, daß er wieder zu ihr kommen solle, da sie ihn auch lieben würde und
sie ohne ihn nicht mehr leben könne.
Der junge Mann ist überglücklich und will wieder nach Wien zurückkehren. Fluchtartig verläßt er das Schloß und
gelangt nach Rom. Als er durch die Straßen schreitet, denkt er auf einmal, die Stimme seiner "schönen Frau"
zu hören. Er sieht eine weiße Gestalt in einem Haus. Da er sie aber nicht findet, schläft er im Freien ein. Am
nächsten Morgen weckt ihn ein junger Landsmann. Er stellt sich als Maler vor und nimmt den Taugenichts mit in
sein Haus, wo der dieser sich einige Bilder anschaut. Dabei entdeckt er zwei Gemälde, die ihm gefallen und
fragt den Maler, ob er sie gemalt habe. Doch dieser antwortet ihm, daß sie von Leonardo da Vinci und Guido
Rini gemalt worden seien. Da verkündet ihm der Taugenichts, daß er sie auch kenne, da er mit ihnen Tag und
Nacht gereist sei. Der Jüngling erfährt von dem Maler, daß dieser die junge Frau schon gemalt habe, als diese
nach Rom gekommen sei, um den Taugenichts, Leonard und Guido aufzusuchen. Voller Begeisterung rennt der
Taugenichts hinaus, um durch die Stadt zu laufen. Er sucht das Haus, in dem er die weiß gekleidete Gestalt
gesehen hat, doch er findet es nicht wieder. Später nimmt der Maler ihn mit zu einem Garten, in dem plötzlich
auch ein laut streitendes Paar auftaucht. Es ist die Kammerjungfrau des Schlosses, auf dem auch seine
"allerschönste Frau" wohnt. Die Kammerjungfrau steckt ihm einen Zettel zu, der eine Einladung zu einem
Treffen mit der schönen jungen Gräfin enthält. Der Taugenichts sucht sofort das Haus auf und erblickt dort eine
Gestalt im Mantel des Malers, den er vor kurzem kennengelernt hat. Mit lautem Geschrei läuft der Taugenichts
auf diese Person zu, doch dabei verwickelt er sich in Blumen und fällt zu Boden. Als er zu der Person im
weißen Gewand aufblickt, sieht er, daß es die Kammerjungfrau ist. Die "schöne gnädige Frau", mit der er das
Rendez-vous haben sollte, gesellt sich zu den beiden aber der Taugenichts erblickt statt seiner
"Allerschönsten", eine mächtige, große und korpulente Dame, die ihn komisch anschaut und macht sich
daraufhin auf die Reise nach Deutschland. Auf dem Rückweg begegnen ihm drei Prager Studenten, die sich,
wie er, auf der Wanderschaft befinden. Ein Student erzählt ihm, daß sein Vetter Portier auf einem Schloß
unweit von Wien sei. Kurz darauf beschließen sie alle gemeinsam, dort hinzufahren. Aus den Gesprächen
zwischen den Studenten erfährt der Taugenichts, daß es bei Hofe bald eine Hochzeit geben werde. Der
Taugenichts bezieht diese auf seine "schöne Frau". Als sie nun endlich ankommen, rennt der Taugenichts
sofort zum herrschaftlichen Garten, wo er die Stimme des Herrn Guido hört. Dort erblickt der Taugenichts die
"schöne Frau", diese entdeckt ihn ebenfalls hoch erfreut.

Unerwartet sieht der Taugenichts auch den Herrn Leonard, der die "schöne Frau" bei der Hand faßt und sie zu
ihm führt.
Herr Leonard erklärt dem Taugenichts die verworrene Geschichte: Er erzählt ihm, daß Herr Guido, Flora,
seine Geliebte, sei. Sie habe sich als Herr Guido ausgegeben, da Floras Mutter am Anfang die Liebe
zwischen ihr und ihm nicht gebilligt hatte, da noch ein anderer Herr um die Hand ihrer Tochter bat; deshalb
flüchteten sie zusammen, verkleidet als Maler, nach Italien. Unterwegs sei man ihnen aber gefolgt. Dies sei
auch der Grund gewesen, warum sie den Taugenichts alleine weiterreisen ließen.
Zum Schluß gesteht die "schöne Frau" dem Taugenichts, daß sie keine Gräfin sei, sondern die Nichte des
Portiers; bald darauf heiraten sie.
 
- Zurück zur Startseite


 CHARAKTERISIERUNG DES TAUGENICHTS
 

Vorname, Zuname, Geburtsort sowie Alter des Taugenichts werden dem Leser in der ganzen Novelle nicht
mitgeteilt.

Man erfährt nur, daß sein Vater Müller ist und daß seine Mutter irgendwann gestorben ist.

Aber denkt man an die ursprüngliche Verwendung von "Taugenichts" = "Strauchdieb" etc, so erhält der Leser
-quasi nebenbei- doch eine Reihe Informationen über ihn, die diesen sogenannten "Taugenichts" eigentlich
recht "tauglich" erscheinen lassen. Der Verlauf der Geschichte wirkt auf mich wie eine Sympathiewerbung für
den "Taugenichts".

Da wird von seinen guten Manieren gesprochen. Das Lied, "Den lieben Gott lass ich nur walten", signalisiert
sein Verhältnis zum Glauben. Er kann die Frage nach Lesen, Schreiben und Rechnen mit Ja beantworten. Die
ganze Novelle ist ein einziger Beweis dafür, wie gut er sich durch sein Leben singen und fiedeln kann.

Er kennt auch in sich den heimlichen, vielleicht verdrängten, vielleicht nie für realisierbar gehaltenen Wunsch
nach "seßhafter Bürgerlichkeit": "... und faßte förmlich denEntschluß (hier erkennt man den Juristen
Eichendorff), nunmehr alles Reisen zu lassen, auch Geld zu sparen wie die anderen, und es mit der Zeit gewiß
zu etwas Großem in der Welt zu bringen."

Ein ganz normaler Traum, wenn sich wider alle Erwartungen Chancen auftun; aber auch kein Heilmittel gegen
die eigene, innere Unstetigkeit und schon gar keine Versuchung, ein anderer zu werden. Denn -wieder
unterwegs- wird der eigentliche "Taugenichts" gezeigt.

" Ich besann mich nicht lange, zog meine Geige aus der Tasche, und spielte schnell einen lustigen Ländler auf
... (bis) ... jeder nahm die Seine und eh' ichs mich versah, schwengte sich das junge Bauernvolk tüchtig um mich
herum..." Einer "brachte endlich ein kleines Silberstück heraus, das er mir in die Hand drückte. Mich ärgerte
das, wenn ich gleich dazumal kein Geld in der Tasche hatte. Ich sagte ihm, er solle nur seine Pfennige behalten,
ich spiele nur so aus Freude, weil ich wieder bei Menschen wäre."

Diese beiden Textstellen erscheinen mir geeignet und stellvertretend, die ganze Bandbreite des
"taugenichtsschen Seelenlebens und Charakters" deutlich werden zu lassen.

Eigentlich ein ganz normaler und sympatischer "junger Bursche".

Ich weiß, man sagt, "Vergleiche hinken". Trotzdem drängt sich ein Vergleich auf, vor allem deswegen, wenn für
Eichendorff vor dem Titel "Taugenichts" auch der Titel "Der neue Troubadour" denkbar war. Vielleicht würde
Eichendorff seine Novelle heute "Der Aussteiger" genannt haben.

"Ich hatte recht meine heimliche Freud', als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links,
wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in
die freie Welt hinausstrich. Ich rief den armen Leuten nach allen Seiten recht stolz und zufrieden Adjes zu, aber
es kümmerte sich eben keiner sehr darum. Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte. Und als ich endlich
ins freie Feld hinauskam, da nahm ich meine liebe Geige vor und spielte und sang..."

Und so wie heute der eine mit Neid in der Stimme vom Aussteiger spricht, klingt beim anderen Verachtung
durch. In beiden Fällen muß nicht die Person gemeint sein, sondern die Einstellung, die Lebensphilosophie, der
Mut für entsprechende Entscheidungen. So auch beim "Taugenichts". Heute könnte man sagen: Eichendorff
benutzt den Taugenichts als Medium, um seinem Traum von einem alternativen Leben Ausdruck geben zu
können. Und allen Ideologen der alten Tugenden, seinen möglichen Kritikern, könnte er entgegenen: Was wollt
ihr denn? Ich nenne ihn doch selbst "Taugenichts".

Noch etwas erinnert mich an heute, läßt den "Taugenichts" verblüffend aktuell erscheinen.

"Jungen und Männer weinen nicht!" Noch gar nicht lange ist es her, da gehörte dies mit zur Erziehung. Nur im
"Taugenichts" habe ich bisher soviel vom "Weinen" können, dürfen, wollen, müssen gelesen.

Ich denke, daß der Taugenichts ein sehr sensibler Mensch ist, der keineswegs immer nur glücklich und sorglos
ist. Des öfteren muß der junge Mann Tränen vergießen: "... da konnt' ich mich nicht länger halten, ich warf mich
in das Gras und weinte bitterlich."

Oft verfällt er auch in Selbstmitleid, z.B. wenn er sagt: "Mir ist's niergends recht. Es ist, als wäre ich überall eben
zu spät gekommen, als hätte die ganze Welt gar nicht auf mich gerechnet."

Oder: "... und allen ist's gleich, ob ich noch da bin, oder in der Fremde, oder gestorben."

Aber das Selbstmitleid ist vielleicht auch eine Art Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie, die man sich
wünscht, für die man aber auch selbst seinen Beitrag leisten muß.

Insgesamt erscheint mir der "Taugenichts" fast als eine prophetische Zeichnung eines heutigen Jugendlichen
zwischen Werbung (Schloß, schöne junge Frau) und Wirklichkeit (Nichte des Portiers). Aber kaum einer spricht
auch das heutige Gefühlsleben so an wie Eichendorff: "Ich wickelte mich, gleich einem Igel, in die Stacheln
meiner eigenen Gedanken zusammen (diese stechen auch nach innen). ...und so saß ich auf dem Baume
droben, wie die Nachteule, in den Ruinen meines Glücks  die ganze Nacht hindurch.
 
 - Zurück zur StartseiteIndex.html


              SPRACHE, AUFBAU, STILISTISCHE MITTEL
 

Das Werk ist in zehn Kapitel unterteilt. Die Novelle wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Auffällig sind auch die
14 Lieder, welche hin und wieder auftreten.
Die direkte Rede steht im Gegensatz zur Beschreibung von Gefühlen und Gedanken des Taugenichts, im
Hintergrund. Auffällig ist auch, daß sich die Jahreszeit im Verlauf der Novelle nicht ändert. Es ist vermutlich
Frühling, obwohl es an verschiedenen Stellen heißt "schöner Sommerabend" oder "prächtige klare
Sommernacht". Doch der Ausdruck "blühendes Mailand weist auf den Mai hin. Außerdem berichtet der
Taugenichts des öfteren von blühenden Pflanzen in der Natur, z.B. "blühende Gärten", was den Frühling
symbolisieren würde.
In Eichendorffs Novelle treten verschiedene Satzstrukturen auf.
Auffällig sind die langen Sätze, in welchen sich Prädikate, Objekte oder Subjekte aneinanderreihen. Der erste
Satz der Novelle lautet: "Das Rad an meines Vaters Mühle braust und rauscht schon wieder recht lustig, der
Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitschern und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der
Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenschein."

Hier sieht man sehr deutlich, wie Eichendorff mehrere Hauptsätze aneinander reiht.
Man kann sich als Leser sehr gut in Situationen hineinversetzen, da Eichendorff eine sehr bildhafte
Beschreibung liefert. Die Natur wird sehr ausführlich beschrieben; bei der Beschreibung von Personen und
deren Eigenschaften hält sich Eichendorff jedoch eher zurück.
Wenn er Menschen beschreibt, so werden diese sehr oft mit Tieren und Pflanzen aus der Natur verglichen.
"Guido sang [...] wie eine Nachtigall." Oder: "Sie war wahrhaftig schön rot und dick und gar prächtig und
hoffärtig anzusehen, wie eine Tulpine." Oder: "Ich wickelte mich, gleich einem Igel, in die Stacheln meiner
eigenen Gedanken zusammen."
Es gibt in der gesamten Novelle 14 Lieder (ein Lied wiederholt sich). Die Lieder drücken die jeweilige
Stimmung des Taugenichts aus, wie z.B. das Eingangslied, welches auch das kommende Geschehen
vorausdeutet.
Das Schlußlied berichtet über die Zukunft und erläutert dem Leser das Vorgefallene.
Die Lieder sollen dem Leser offenbar die Träume der Ich-Person darstellen; nebenbei lockern sie auch noch
das Geschehen auf.
Ich glaube, daß die Lieder sehr bedeutend sind, da der Autor einige Seiten in dieser Novelle für die Lieder
beansprucht hat. Manchmal nimmt ein Lied sogar eine ganze Seite ein.

- Zurück zur Startseite


Romantische Motive
 

Kurze Einführung: EICHENDORFF und die DEUTSCHE ROMANTIK (1800-1830)

Die ROMANTIKER WAREN (und sind) der Ansicht,

•daß den MENSCHEN nicht nur kühler Verstand und berechnende Vernunft auszeichnen, sondern auch Phantasie und Gefühl; •daß die NATUR nicht nur aus erforschbaren Gesetzmäßigkeiten besteht, sondern darin auch geheimnisvolle Kräfte wirken, die unsere Geschicke beeinflussen; •daß nicht nur Gebildete und Gelehrte Bedeutendes zu sagen haben, sondern auch das einfache VOLK in seinen Lieder, Sagen und Märchen. -"Grimms Märchen" und "Des Knaben Wunderhorn".

Wichtige Themen (und Motive) der romantischen Literatur sind :

•der Zauber und die Geheimnisse der Natur (Nacht, Mond, Wald...) •die Phantasien und Gefühlstimmungen der Menschen (Liebe, Sehnsucht, Wahnsinn) •die Gedankenwelt des einfachen Volkes (Volksglauben, Aberglauben) •Kritik phantasie- und gefühlloser Geschäftigkeit (Spießer) •Ausstieg oder die Flucht aus dem Alltag (Fernweh, Wanderlust, Traum)
 

------------------------------------------------------------------------

 

Der Held: Kurzer Abschied, Blitzkariere, Liebe und Fernweh

Erstes Kapitel: Der ICH-Erzähler wird an einem schönen Frühlingsmorgen von seinem geschäftigen Vater, dem Müller, ein Taugenichts geheißen und aufgefordert, sich in der Welt draußen selbst sein Brot zu erwerben. Ohne Umschweife verabschiedet sich der junge Mann, nimmt seine Geige und wenig mehr in den Säckel, bedauert die arbeitenden Leute herzlich und nimmt mit dem Liede "Wem Gott will ..." seine Wanderschaft auf. Auf dem Weg begegnet ihm eine herrschaftliche Kutsche mit zwei Damen, einer jüngeren und einer weniger jungen, die ihn mitnehmen. Im Schloß angekommen umgibt ihn eine geschäftige Atmosphäre, er trifft den Portier, eine pompöse Erscheinung, wird zum Gärtnerburschen gemacht, gönnt sich als solcher ein faules Leben und erhält von der Jüngeren der Damen heimliche Zeichen der Zuneigung. Liebe entbrennt und er beobachtet seine Liebste täglich, bis diese ihn bemerkt und sich nicht mehr blicken lässt. Auf einer Bootsfahrt betört der die Herzen der anwesenden Herren und besonders der Damen mit einem Volkslied, "die Seele der Nationalseele", wie ein Herr doppeldeutig schwelgend bemerkt.

- Der Taugenichts steigt aus der kleinen, überschaubaren Welt der Tüchtigkeit aus< und begibt sich in die große Welt der Abenteuer und Überraschungen. Ist er ein AUSSTEIGER?

2. Unverhofft wird er Zolleinnehmer, bezieht ein schönes Haus, reißt das Gemüse aus dem Garten heraus, pflanzt Blumen, macht sich faule Tage und denkt ans Sesshaftwerden. Der Dame seines Herzens legt er jeden Abend einen selbstgepflückten Strauß in den Schlossgarten. Im Gespräch mit dem Portier über die Jagd, als dieser die Jagd nicht romantisch findet, weil er immer Treiber sein muss, haut ihm der Taugenichts auf die Nase. Daraufhin begegnet ihm seine Liebste zu Rosse, erfährt, dass die Sträuße von ihm sind, und lässt sie fürderhin im Garten liegen und verwelken. Auf einem herrschaftlichen Balle entdeckt der T. seine Angebetete an der Seite eines stattlichen Mannes, verfällt in tiefe Melancholie, lasst sich wieder von Reiselust anstecken und zieht gen Italien.

- "Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte."
Was hält der Taugenichts von der Arbeit?
Wie hält er es mit dem Nützlichen?
Wie werden diejenigen beschrieben, die arbeiten und eine Stellung bekleiden? Gärtner, Amtmann, Portier - Spießbürger (=Philister)
 
Was ist an romantischen Motiven im "Taugenichts"bisher erkennbar?

Wir erkennen zwei entgegengesetzte Welten:

"Kalte Welt"

Geschäftigkeit und Hektik:

  • Väterliche Mühle

Zweckmäßigkeit und Erfolgsdenken:

  • der Portier
  • Kartoffeln und Gemüse

Neckische Koketterie:

- Bootsfahrt

"Weite Welt"

Gesteigertes Naturerleben:

  • Vögel, Brunnen, Bächlein
  • Freies Wanderleben

Müßiggang, Geigenspiel

  • "ewiger Sonntag im Gemüte"

Blumen, Unkraut

Tiefe Gefühlsempfindungen

Volkslied und Liebeslied

Zwischen diesen Welten ist der Taugenichts hin- und hergerissen, daraus ergeben sich seine extremen GEMÜTSLAGEN:

   - Wanderlust, unbändiger Freiheitsdrang

      und Gefühlsüberschwang (Naturerleben, Liebe)

              é                                    Unentschiedenheit

                                                    Rast- und Ziel-

              ê                                     losigkeit

    - tiefe Melancholie und Selbstmitleid:

       Gefühl der Heimatlosigkeit

       Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe, nach einem

             sesshaften, ruhigen Leben

Wieder unterwegs

3. Auf dem Weg nach Italien hat er noch manch unliebsame Begegnung mit griesgrämigen Menschen, aber auch mit schönen Dorfmägden, die er durch sein Geigenspiel beglückt. Wieder einmal möchte er sesshaft werden und beklagt seine Einsamkeit, da wird er von zwei Reitern gezwungen, ihnend en Weg ins Dorf B. zu zeigen. Aufs Geradewohl stolpert er nun den Reitern voraus durch den Wald und siehe da: Beim Morgengrauen zeigt sich, dass erstens der Weg richtig war, und zweitens stellt sich heraus, dass die 'Räuber' geradenwegs vom Schloss kommen und sich sehr wohl an ihn erinnern: Sie stelen sich als Maler Leonhard und Guido vor, wobei letzterer noch jung ist uns schöne schwarze Locken hat.

4. Nun gehts hurtig voran. Der T. bekommt neue Kleider und sitzt jetzt vorne auf der Postkutsche. In der Lombardei (Welschland) eines Abends taucht ein komischer buckliger Alter auf, der sich ihm anzubiedern versucht, und in der Nacht verschwinden die beiden Maler plötzlich. Der T. muss mit der Kutsche weiterfahren und weiß nicht genau wohin und warum.
 

Auf dem Schlosse

5. Plötzlich weicht die Kutsche vom Weg ab und fährt in eine nächtliche wilde Gegend. Die Fahrt endet auf einem alten Schloss, wo zwei Alte ihn empfangen und bewirten.

6. Seltsame Dinge und Leute gibt es auf dem Schloss: Hübsche Kammerjungfern, zwei komische Alte und einen blassen Studenten, der immer deklamiert. Aber der T. versteht nicht ihre Sprache und auch nicht, was da vorgeht. Die Tage vergehen und werden vertrieben mit Essen, Schlafen und Geigenspiel. Ab und zu weckt ein Posthorn in ihm romantische Sehnsucht ("Wer in die Fremde will wandern..."). Da erreicht ihn ein Brieflein von (s)einer "Aurelie", die ihn (?) sehnsüchtig im Schlosse zurückerwartet. Entzückt beschließt er, das Schloss zu verlassen und gibt den sonderlichen Alten auch noch Kenntnis davon. Diese schließen ihn nun nachts in sein Zimmer ein, und nur mit Hilfe des Studenten gelingt ihm die Flucht aus dem Schloß.
 

Irrungen und Wirrungen in Rom

7. Spät abends zieht er in Rom ein. Alles ist leer und still, nur eine melancholische Gitarre klimpert, und er vernimmt die süße Stimme seiner "schönen gnädigen Frau". er springt in den Garten, aber die Türen werden verschlossen und auch sein Geigenspiel öffnen sie nicht mehr. Am Morgen findet ihn ein deutscher Maler und nimmt ihn mit in sein Atelier. Dort malt er ihn als Hirten in einer Krippenszene (Maria, Joseph usw.). Es zeigt sich, dass der Maler die beiden Begleiter Guido und Leonhardt kennt, und dass sich eine junge Gräfin aus Deutschland nach ihm erkundigt hätte. Ein Porträt von ihr veranlasst den T., sich auf die Suche zu machen.

- Wie wird Italien/Rom geschildert?

8. Weitere Verwicklungen: T. findet das Haus vom Vorabend nicht mehr, statt dessen erwacht er aus dem Mittagsschlaf von Blumen übersäht unter einem Balkone. Während er mit dem Papageien diskuriert, findet ihn der Maler und nimmt ihn mit vor die Stadt, wo eine kleine Gesellschaft festet. Dort spielt sich gerade eine Eifersuchtsszene ab, in deren Verlauf ein Mädchen ihm einen Zettel zusteckt, wann er wo zu sein hat. Es war die schnippische Kammerjungfer aus dem Schlosse bei Wien. Daraufhin fiedelt der T. für alle, bis es dunkel wird, nur noch er und zwei Maler bleiben übrig, davon hält einer zu vorgerückter Stunde eine Rede über das "Dasein des Genies". T. verschwindet und findet das Haus wieder im nächtlichen Mondglanz, und wieder ist alles verschlossen. Er sieht eine weiße Gestalt mit einem Schlüssel durch einen Nebeneingang huschen, erkennt darin den Maler, der ihn als Genie angeredet hat, und läuft diesem 'Mordio' schreiend hinterher. Das Geschrei weckt alle auf. Es zeigt sich: Der Maler wollte zu seiner Kammejungfer schleichen, die singende Dame, die den T. zum Stelldichein gelokt hatte, war gar nicht die Geliebte, die ist schon längst nach Deutschland zurückgereist. Die Kammerjungfer schickt ihnzum teufel, es komme schon Leute mit Knüppeln, um nach dem Lärm zu schauen, und T. macht sich noch zur selben Stunden auf den Fußweg nach Deutschland zurück.
 

Rückweg, Rückkehr, Auflösung aller Rätsel und Happy End

9. Kurz vor Österreich stößt er auf drei fahrende Musikanten, Studenten, die sich so ihr Geld verdienen. Das scheint einträglich zu sein. Gespräch über das Reisen und das Studium der freien Welt. Der Portier ist ein Vetter eines der Musikanten und sie beschließen, mit dem Postschiff hinzufahren. Auf diesem erfährt er von einem ehrwürdigen Pfarrer, dass auf 'seinem' Schlosse bald eine Hochzeit stattfände, und die Gräfin ihren Bräutigam, der sich noch in der Welt herumtreibe und in Rom gewesen sei, sehnsüchtig erwarte. Sofort hält sich T. für diesen.

10. Angekommen sucht er sogleich sein Einnehmerhäuschen auf, aber es ist bereits wieder besetzt. Beim Schlosse hört er Herrn Guido ein altbekanntes Lied singen und findet seine Geliebte in voller Pracht, neben ihr noch eine andere. Plötzlich tauchen aus dem Gebüsch lauter Brautjungfern auf, die den T. bekränzen. Auch erscheint der Maler Leonhardt und erklärt die Lage: "Die Liebe ... ist eigentlich ein Poetenmantel, den jeder Phantast einmal in der kalten Welt umnimmt, um nach Arkadien auszuwandern. .." Dieser Mantel habe den unsteten T. zurück in den Bann seiner Geliebten gezogen. Konfusion mit dem Herzen, romanhaft: Der Maler Leonhardt ist kein Maler, sondern ein reicher Graf, der sich in die Tochter der Gräfin, Flora, verliebt hat. Da aber noch ein anderer ihr den Hof macht, fliehen er und Flora/Guido als Maler nach Italien, verfolgt von den Leuten des Nebenbuhlers. Als die beiden der Verfolgung gewahr werden (der komische Alte aus Kapitel 4), machen sie sich nächtens aus dem Staube und lassen den T. auf eines der Schlösser Leonhardts bringen. Dort hält man ihn für Flora. Nachdem er aber aus dem Schlosse ausriss, glaubt man zuhause, ihn suchen zu müssen, und so reist die Gräfin selbst, mit Aurelie, welche in Wirklichkeit ein Waisenkind ist, nach Italien. Dort wird Flora auch gefunden und man reist nach Hause zurück. Nur der Taugenichts wird jetzt noch vermisst, besonders von seiner Aurelie. Der Graf Leonhardt ist ihm aber zu Dank verpflichtet, da er ihm , wenn auch unwissend, bei der Entführung Floras aus dem Mädchenpensionat behiflich war. Darum bekommt der Taugenichts jetzt auch seine Aurelie, dazu ein kleines Schlösschen und es ist "alles, alles gut".

 
 
ROMANTISCHE LIEDER ('Volkslieder') IM TAUGENICHTS

- Was ist ein VOLKLSLIED? Wovon handeln sie im allgemeinen?

- Bei welchen Gelegenheiten werden im 'Taugenichts' Lieder gesungen.

   Kap. 1:  'Wem Gott will rechte Gunst erweisen..'

                 'Wohin ich geh und schaue...'

   Kap. 4: 'Schweigt der Menschen laute Lust..."(und Kap.10)

   Kap. 6: 'Wer in die Fremde will wandern..."

   Kap. 7: 'Wenn ich ein Vöglein wär...'

   Kap. 9: 'Die treuen Berg' stehn auf der Wacht..."
 

Vergleich von: Wem Gott will ... / Wer in die Fremde will.. nach den Aspekten: Situation - Inhalt - Stimmung - Form

             Wem Gott will ...      |    Wer in die Ferne will...

        -------------------------------------------------------------

Situation: "ewiger Sonntag im Gemüt"| Im Schloss (Fremde), beim Hören

             Aufbruch               |   des Posthorns

                                    |

Stimmung   Freiheitsdrang,          |  Einsamkeit und Sehnsucht

  und       unbekümmerte Wanderlust |     Heimweh

                                    |

Inhalt    Spott über die Beschränkt-|  Klage über die Gefühllosigkeit

            heit der anderen        |     der andern Menschen

          Gewissheit von Gottes     |   Trost in der Erinnerung

            Fürsorge                |

 

Form            Volksliedstrophe, vierzeilig mit Kreuzreim

             vierhebiger Jambus            Daktylus


Quelle: ...


- Zurück zur Startseite