Die Romantik

 

Als Romantik bezeichnet man eine geistige, künstlerische und insbesondere literarische Bewegung in Europa zwischen 1790 und 1850.

Das Wort selbst bedeutet im Sprachgebrauch der Romantik

  1. nicht klassisch ( z.B. bezogen auf die Literatur des Mittelalters
  2. romanhaft
  3. modern, bezogen auf den Roman, der z.T. als literarisches Vorbild galt

 

Als Anfang der literarischen Romantik in Deutschland kann man das Jahr 1793 sehen, in dem W. H. Wackenroder und L. Tieck die malerische Kunst und Religion als Gegen- und Vorbild für ihre Zeit entdeckten. Eine erste Gruppe der Romantik bildete sich 1798 in Jena, weshalb diese Zeit als sogenannte Jenaer- oder Frühromantik bezeichnet wird. In dieser Gruppe finden sich Theoretiker, Philosophen und Wissenschaftler (u.a. Novalis, W. und F. Schlegel, J. W. Ritter). Im Mittelpunkt dieser Gruppe steht das Programm einer neuen universalen Poesie, die verstanden wird, als Ergänzung und Fortbildung der Klassik und als Synthese von Philosophie, Religion, Gesellschaft und Kunst.

 

1808/9 tritt eine neue Gruppe auf, deren Zusammenhalt durch die "Zeitschrift für Einsiedler" gegeben ist, sowie ein der Dichtung, der Sprach- , der Geschichten- und der Mythenforschung zugrundegelegtes nationales Bildungsprogramm, das sich gegen aufklärerische und klassizistische Kräfte richtete. Mitglieder dieser Gruppe waren u. a. Achim v. Arnim, C. Brentano und J. v. Eichendorff. Vor allem die Sammlung und Bearbeitung von volkstümlicher Literatur sollte dazu dienen, die schöpferischen Kräfte des deutschen "Volksgeistes" zu wecken.

 

Angeregt durch die französische Revolution und deren Folgeereignisse versuchte die Romantik alle geistig – literarischen Strömungen aufzunehmen, die im 18. Jahrhundert im Gegensatz zum absolutistischen Staat, dem Rationalismus und der mechanisch – vernünftigen Theologie standen.

 

Die charakteristischen Kunstformen der Romantik lassen vor allem drei Tendenzen erkennen:

  1. ständige Bemühung um die Erweiterung der Sprachmöglichkeiten, um die ganze Wirklichkeit künstlerisch erfassen zu können,
  2. der Versuch, das Fremde und Geheimnisvoll- Vieldeutige in natürlich einfacher Weise darzustellen, und
  3. ständige Erweiterung der künstlerischen Wirkungsmöglichkeiten im Gegensatz zu allem Konventionellen.

 

Vorläufer der Romantik sind :

 

Die Romantik brachte sehr unterschiedlich Themen und Tendenzen hervor, mit Vorliebe suchte sie gerade die Produktivität von Widersprüchen zu nutzen. Gemeinsamkeiten sind daher nur im Sinne von Berührungspunkten sichtbar; charakteristisch bleibt die Vielschichtigkeit der Romantik, die jede Darstellung zur auswählenden und wertenden Interpretation.

So ist sie eine gewisse Fortsetzung der Aufklärung, wenn sie versucht die menschliche Vernunft mit den der Vernunft nicht zugänglichen Bereichen zu vermitteln.

 

Die vielen Märchendichtungen, die "neue Mythologie", die Verbindung von in die Realität projizierten Vorstellungen, Ängste und Hoffnungen und Durchdringung der Außenwelt mit Gefühlen und Bedeutungen, die Versenkung in die Geschichte, eine Verschmelzung der Künste und Wissenschaften, die Deutung der Natur als "bewußtlosen Geist", Dichtungen, die den Tode thematisieren, Verschmelzung von Religion, Philosophie und staatlicher Ordnung, deren gemeinsames Organ die Poesie sein solle ( Novalis ): all diese Faktoren spiegeln auf verschiedene Weise gemeinsame Tendenzen der Romantik.

 

Nach 1820 wird die Romantik langsam von dem aufkommenden Realismus abgelöst, der dem aufkommenden Liberalismus und Kapitalismus besser gewachsen scheint.

 

Bedeutsam für das 20. Jahrhundert wurden u.a. die produktiven Kritiken Kjerkegaards und Nietzsches. Auch wären die neueren Geisteswissenschaften ohne die romantischen Anregungen nicht zu denken. Wichtige Entwicklungen führen zur Mythologie, zur Naturwissenschaft und zur Psychologie des Unbewußten.

 

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