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drefa-Projektgruppe Geschichte Mitteldeutschland |
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300. Geburtstag
Caroline Friederike Neuber Schauspielerin und schreibende Thater-Prinzipalin
geb. 19.03.1697 in Reichenbach/Vogtl. (Sachsen) gest. 30.11.1760 in
Laubengast (Sachsen)
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 Friederike Caroline Neuber(in) Bildausschnitt eines Aquarells
von Fr. Rowland, 1929 |
Das Leben der Caroline Neuber war gekennzeichnet durch eine Kindheit und
Jugend voller Entbehrungen. Der aus Zwickau stammende Vater, Daniel Weißenborn,
amtierte als Gerichtsdirektor in Reichenbach/Vogtl. 1702 mußte er seinen
Beruf wegen Krankheit aufgeben und nach Zwickau zurückkehren. Der jähzornige
Mann schlug nicht nur seine Frau, dessen frühen Tod er mitverschuldet
hatte, sondern auch sein einziges Kind. Mit dem Gehilfen Gottfried Zorn, den
der Vater einstellte, dem er freie Kost und Wohnung bot, verband Caroline eine
Liebesbeziehung. Beiden gelang 1712 die Flucht aus dem Elternhaus. Doch
Carolines Vater ließ Zorn per Steckbrief als "Verführer und Entführer"
suchen und verhaften. In einem langwierigen Prozeß nahm Caroline alle
Schuld auf sich, um ihren Geliebten vor der Entführungsklage zu retten.
Schließlich wurden beide vom Gericht freigesprochen. Die Beziehung
Carolines aber zu ihrem Geliebten ging in die Brüche, da sich
herausstellte, daß Zorn verheiratet war und sich des Ehebruchs schuldig
gemacht hatte. Somit mußte Caroline erneut beim Vater leben, dessen
Gewalttätigkeiten kein Ende nahmen.
Fünf Jahre später flüchtete
sie mit zwei Zwickauer Lateinschülern. Einer von ihnen war Johann Neuber.
Ihn und Caroline verband bald eine tiefe Zuneigung und die Liebe zum Theater,
so daß sie sich 1717 in Weißenfels der Spielbergischen Komödiantenbande
anschlossen und ein Jahr später in Braunschweig heirateten. Die "Neuberin"
fiel in der Truppe "durch die besondere Anmut und Natürlichkeit ihres
Spieles, die Vielseitigkeit ihrer Darstellungskunst, ihr Temperament und ihre
Schlagfertigkeit im Stegreifspiel"(Ziessler, S.18) auf. 1727 gründete
sie mit ihrem Mann eine eigene Truppe, in der sie die besten Schauspieler der
sich auflösenden Hoffmann-Haakeschen Truppe aufnahmen. Die Neuberin war
nun Prinzipalin. "Mit mütterlicher Güte und Strenge auf gute
Zucht und ordentlichen Lebenswandel" (Ziessler, S.20) wirkte sie auf die
Mitglieder ein und verhalf dem Schauspielerstand, dem man zuvor meist Verachtung
entgegenbrachte, zu Ansehen. Mit dem Erwerb des sächsischen Aufführungs-Privilegs
kam die Neuberin nach Leipzig, das als Knotenpunkt des Handels und Verkehrs, als
Stadt weltberühmter Messen und des deutschen Buchhandels auch für das
Theater wichtig war. 1727 entdeckte Johann Christoph
Gottsched (1700-1766), Literaturprofessor der Leipziger Universität,
die Neuberin. Sein Ziel war die Schaffung einer einheitlichen deutschen
Literatursprache und die Reform des Theaters nach französischem Vorbild. Die
Neuberin brachte zahlreiche Übersetzungen von Gottsched und auch Arbeiten
seiner Frau zur Aufführung. Die Neuberin und Gottsched standen in regem
Kontakt. Sie arbeiteten an einer Reform des Theaters; und begannen damit, die
alten Spektakelstücke durch "dichterische Kunstwerke von ästhetischem
und moralischem Format"(Ziessler, S.22) zu ersetzen und den Hanswurst,
einen pfiffig-frechen Kerl aus dem Volke in Dienerrollen"(Ziessler,
S.14) aus den Tragödien zu verbannen. Das Theater sollte von seinen rohen,
verwilderten Zügen befreit und "zu einer Pflegestätte des guten
Geschmackes und der Erbauung,"(Ziessler, S.22) gemacht werden. Während
zuvor die Schauspieler die literarischen Vorlagen verdrehten, schufen Gottsched
und die Neuberin eine Einheit zwischen Dichtung und Bühne. Die Absichten
des Stückeschreibers wurden von nun an mehr berücksichtigt. Auch
auf der Bühne, in zahlreichen eigenen Vor- und Nachspielen, warb die
Neuberin für ihre Reform: Theater sollte nicht nur Unterhaltung, Theater
sollte auch Erziehung sein.
Friederike Caroline Neuber hatte auch mit neidischen Konkurrenten zu kämpfen,
die sie immer wieder in ihrer Arbeit behinderten. Dazu gehörten
Schauspieler aus ihren eigenen Reihen. Ein gewisser Müller schaffte es, der
Neuberin das Spielrecht in Leipzig zu nehmen, so daß sie mit ihrer Truppe
nach Schleswig-Holstein ziehen mußte, wo sie 1736 ein Privileg erhielt.
Drei Jahre später erst konnte sie durchsetzen, wieder in Leipzig spielen
zu dürfen.
Auf Initiative Gottscheds verbannte die Neuberin 1737
in einem selbstverfaßten Vorspiel den Hanswurst auf offener Bühne.
Die Figur wurde "zum Tode verurteilt und anschließend als Puppe auf
einem Scheiterhaufen im Freien demonstrativ verbrannt"(Ziessler, S.31) -
was großes Aufsehen erregte. Gleichzeitig war der Erfolg der Aufführung
ein gewaltiger Schlag gegen den Konkurrenten Müller. Zum Erfolg der
Neuberin trug auch die Einführung der Musikbegleitung in ihren Tragödien
bei, die Lessing in seiner "Hamburgischen Dramaturgie" lobte. Aber während
ihrer Gastspielreise in Rußland 1740-1741, versuchte ein weiterer
Konkurrent, der Neuberin den Platz streitig zu machen. Dem Theater-Prinzipalen
Schönemann gelang es, Gottscheds Übersetzungen für sich zu
beanspruchen. Ihr Zorn darüber richtete sich auch gegen Gottsched selbst:
in einem Vorspiel machte sie Gottsched als die Nacht" mit
Blendlaterne und Fledermausflügeln" lächerlich, was zum endgültigen
Bruch der Beziehung mit Gottsched führte, dessen weltfremder und
pedantischer Vernunftsdogmatismus" dem praktischen Theaterinstinkt"
(Ziessler, S.35) der Neuberin entgegenstand. Die schlechten Einnahmen
trieben den Schuldenberg der Neubertruppe in die Höhe. Dem Druck der
Konkurrenz konnte sie nicht mehr standhalten, so daß sich die Truppe 1743
auflösen mußte. Die enttäuschte Neuberin wurde von einem Amtmann
in Oschatz aufgenommen. Unterdessen gingen Gerüchte über sie und eine
infame Schmähschrift in Umlauf.
Trotzdem versuchte sie einen
Neubeginn. 1748 führte sie mit großem Erfolg Lessings erstes Werk Der
Junge Gelehrte" auf. Die Bühne wurde damit zum Forum der
geistigen Auseinandersetzung ihrer Zeit" (Ziessler, S.40). Der Neuberin
blieb die erneute Vertreibung aus Leipzig durch einen neuen Konkurrenten namens
Koch allerdings nicht erspart. Bettelarm mußte sie 1750 ihre Truppe für
immer auflösen. Ihr Wanderleben, das sie in weite Teile Deutschlands geführt
hatte, fand ein bitteres Ende. Der letzte Auftritt in Wien wurde zum Fiasko.
1756 kam es zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, der weitere Aufführungen
unmöglich machte. Das Ehepaar Neuber fand beim königlichen Leibarzt
Dr. Löber in Dresden eine Bleibe, wo Johann Neuber 1759 starb. Das Haus
wurde durch den Krieg zerstört. Nachdem Freunde Löbers im
nahegelegenen Dorf Laubegast mit der Unterbringung der Neuberin nicht
einverstanden waren, nahm sie der Bauer Georg Möhle auf. Bei ihm starb
sie, krank und in größter Armut, am 30.11.1760. Die Kirche lehnte ein
Begräbnis ab, so daß Möhle die Verstorbene heimlich an der
Leubener Friedhofsmauer begraben mußte. 1776 wurde für die Neuberin
in Laubegast ein Gedenkstein errichtet. Ein Grabstein konnte erst 1852
aufgestellt werden, da er bisher immer noch von der Kirche abgelehnt wurde.
Literaturhinweise: -
Mechtel, Angelika: Die Prinzipalin.(historisch-biographischer) Roman.
Frankfurt/Main 1997.
- Oelker, Petra: Nichts als eine Komödiantin. Die Lebensgeschichte der
Friederike Caroline Neuber. Weinheim 1993.
- Ziessler, Herbert: Vom Leben und Wirken der Frau Neuberin.
Reichenbach/Vogtl. 1957.
- Züllchner, Herbert: Das Wirken der Friederike Caroline Neuberin in
Dresden. Dresden 1961.
| Denkmäler:
- Gedenkstein in Laubegast
- Grabstätte im Friedhof Leuben
- Neuberinplatz in Zwickau, Büste im Treppenaufgang des Gewandhauses
- Reliefplatte im Foyer des
Schauspielhauses und Gedenktafel am Eingang Café am Brühl"
in Leipzig
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 Das
Neuberin-Denkmal in Dresden-Laubegast vor der Erneuerung 1897 |
Museum: Neuberin-Museum, Johannesplatz, 08468 Reichenbach, Tel.:
03765/21131 Dienstag bis Freitag und Sonntag 10-16 Uhr geöffnet.
Veranstaltung: Aus Anlaß des 300. Geburtstags der
Theaterprinzipalin Friederike Caroline Neuber Sonntag, 9. März 1997,
19.30 Uhr Restaurant Lessingstube",
Kamenz Ich war die Neuberin - ein
Theater-Monolog mit Christa Wagner, Berlin 8,-
DM, Ermäßigungsberechtigte 6,- DM
Festveranstaltung und Fachtagung: anläßlich des 300.
Geburtstages, veranstaltet vom Neuberin-Museum Reichenbach/Vogtland 7. bis 9. März
1997 - Ausstellungseröffnung. Informationen bitte über:
Neuberin-Museum, Johannisplatz 3, 08468 Reichenbach, Tel. und Fax:
03765/21131.
Hörfunksendung: Literatur-Feature des MDR, MDR-Kultur,
19.05-19.30: Zum 300. Geburtstag von Karoline
Neuber am 9.März (Produktion des MDR)
zur Homepage
Projektgruppe Geschichte Mitteldeutschlands",
drefa Produktion und Lizenz GmbH, Prager Str.
200, 04103 Leipzig, Telefon: 0341/300-8060, FAX: 0341/300-8065, e-mail:
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