Niklas
Eine Wette, so das Gerücht, stachelte Gotthold Ephraim Lessing an, es einmal mit einem so in die Mode gekommenen weinerlichen Lustspiel zu versuchen. "(...)in sechs Wochen bringe ich ihnen ein solches Stück", soll Lessing seinen gerührten Freund nach einer derartigen Theateraufführung provoziert haben. Daß dieser sofort darauf einging, machte Lessing keineswegs verlegen, und tatsächlich, gut einen Monat später, vollendete er seine "Miß Sara Sampson" (1755), die ihm großen, wohl kaum erwarteten Erfolg einbrachte und das erste bürgerliche Trauerspiel in deutscher Sprache war. Inszenierungen in Frankfurt/ Oder, Leipzig, Berlin und Hamburg machten Lessing und sein Drama bald bei einem großen Publikum bekannt. Die frühen Werke des jungen Gotthold, der am 22. Januar 1729 in
Kamenz geboren wurde, beschränkten sich noch auf Wissenschaft und
Lyrik. Nachdem das dritte Kind von Justine Salome und Johann Gottfried
Lessing in Meißen an der Fürstenschule St. Afra seine überaus
strenge und elitäre Ausbildung mit glänzenden Leistungen abgeschlossen
hatte, brach er radikal mit dem Geist des patriarchalischen und streitbaren
Elternhauses. Als wäre er ein Vorbild für die späteren Generationen
revoltierender und freigeistiger Pfarrerssöhne, wie zum Beispiel
Christoph
Martin Wieland oder Friedrich Nietzsche, befreite sich Lessing erst
von überkommenen Traditionen in den Freiräumen, die ihm sein
Studium ließ, für das er sich in Leipzig an der Theologischen
Fakultät eingeschrieben hatte.
Der Wunsch seines Vaters, das Studium der Theologie schnell zu beenden, erfüllte Lessing nicht. Er widmete sich eher verschiedenen Themen und Vorlesungen, zu denen zum Beispiel der Besuch bei dem berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann zählte. Auf der Flucht vor seinen Gläubigern mußte Lessing 1748 Leipzig verlassen. Nach einer kurzen Episode in Wittenberg bereitete Lessing heimlich den Weg zu seinem Zielort vor. Nach Berlin, in die Stadt des aufgeklärten Journalismus, zog es den jungen Gelehrten. Hier fand er eine Anstellung als Rezensent und Wissenschaftsredakteur bei der "Berlinischen Privilegierten Zeitung". Nebenbei beschäftigte sich Lessing mit Übersetzungen und gründete eine Theaterzeitschrift. Mit seinen Freunden Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn kam es bald zu aufklärerischen Diskursen, bei denen er Anregungen für seine schriftstellerischen Arbeiten fand. Der Grundgedanke dieser Geistesrichtung setzte die Vernunft an die oberste Stelle seines Handelns. Durch überlegtes und selbständiges Handeln sollte der Mensch frei werden von allen Zwängen. Durch seine Beiträge in der Theaterzeitschrift und die Auseinandersetzung
mit den Ideen Aristoteles´ und Shakespeares machte Lessing die Dramentheorie
zu seinem Metier.
1767, auf der Flucht vor sich selbst und den Zwängen des bürgerlichen Lebens verließ Lessing Breslau, um abermals nach Berlin zurückzukehren. Es hielt ihn aber nicht lange, denn in Hamburg bot man ihm die Chance, als Dramaturg und Stückeschreiber des neu gegründeten Hamburger Nationaltheaters ein Auskommen zu finden. Das ehrgeizige Projekt wollte deutsche Dramatiker fördern, die Ausbildung der Schauspieler garantieren und ein niveauvolles Repertoire bieten. Doch das Publikum und der finanzielle Erfolg blieben aus. 1770 eröffnete sich Lessing eine neue Zuflucht als Bibliothekar in dem einsamen Wolfenbüttel. Rettung gewährten ihm die Theologie und der Entschluß 1776 eine Familie zu gründen, doch schon zwei Jahre später wurde ihm die geliebte Frau Eva König entrissen. Lessing selbst plagte seit einigen Jahren eine Krankheit, die ihn mehr und mehr behinderte. Dennoch hatte er Kraft genug, auch nach vielen literarischen Kämpfen
sich dem gefährlichsten Gegner zu stellen: der lutherischen Orthodoxie.
Lessing wurde in Hamburg ein antidogmatisches, radikal aufklärerisches
Manuskript von Samuel Reimarus übergeben.
Er ließ es, ohne mit seinem Inhalt voll übereinzustimmen, als
"Fragmente eines Unbekannten" 1774 erscheinen. Die "Fragmente" führten
zu einer ungeheuren Erregung, wurde doch hier sogar die göttliche
Natur Christi bestritten. Der Hamburger Hauptpastor
Johann Melchior Goeze gab eine heftige Antwort. Lessing erwiderte mit
den sehr ironischen „Anti-Goezes" (1778). Der Herzog von Braunschweig schützte
Lessing, mußte ihm aber die weitere theologische Publizistik untr
dem Druck der Kirche entsagen. Mit „Nathan dem Weisen" (1779), seinem wohl
bekanntesten Drama, wich Lessing in die Dichtung aus.
Literatur:
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