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Geschichte Mitteldeutschland

 
 
Gotthold Ephraim Lessing
Kritiker, Dichter und Philosoph 

geb. 22. Januar 1729 in Kamenz/ Sachsen
gest. 15. Februar 1781 in Braunschweig

Niklas
Mein Esel sicherlich
Muß klüger sein als ich.
Ja, klüger muß er sein;
Er fand sich selbst in Stall hinein,
und kam doch von der Tränke.
Man denke!

Eine Wette, so das Gerücht, stachelte Gotthold Ephraim Lessing an, es einmal mit einem so in die Mode gekommenen weinerlichen Lustspiel zu versuchen. "(...)in sechs Wochen bringe ich ihnen ein solches Stück", soll Lessing seinen gerührten Freund nach einer derartigen Theateraufführung provoziert haben. Daß dieser sofort darauf einging, machte Lessing keineswegs verlegen, und tatsächlich, gut einen Monat später, vollendete er seine "Miß Sara Sampson" (1755), die ihm großen, wohl kaum erwarteten Erfolg einbrachte und das erste bürgerliche Trauerspiel in deutscher Sprache war. Inszenierungen in Frankfurt/ Oder, Leipzig, Berlin und Hamburg machten Lessing und sein Drama bald bei einem großen Publikum bekannt.

Die frühen Werke des jungen Gotthold, der am 22. Januar 1729 in Kamenz geboren wurde, beschränkten sich noch auf Wissenschaft und Lyrik. Nachdem das dritte Kind von Justine Salome und Johann Gottfried Lessing in Meißen an der Fürstenschule St. Afra seine überaus strenge und elitäre Ausbildung mit glänzenden Leistungen abgeschlossen hatte, brach er radikal mit dem Geist des patriarchalischen und streitbaren Elternhauses. Als wäre er ein Vorbild für die späteren Generationen revoltierender und freigeistiger Pfarrerssöhne, wie zum Beispiel Christoph Martin Wieland oder Friedrich Nietzsche, befreite sich Lessing erst von überkommenen Traditionen in den Freiräumen, die ihm sein Studium ließ, für das er sich in Leipzig an der Theologischen Fakultät eingeschrieben hatte.
Hier gab er sich einem bohèmeartigen Literatenleben hin und machte, angeblich unter dem Eindruck einer Affäre mit einer Schauspielerin, mit den revolutionären Aufführungen des Neuberschen Theaters Bekanntschaft. Nach ersten schriftstellerischen Versuchen, die bereits in seine Schulzeit fielen, gelang Lessing ein kleiner Bühnenerfolg mit seinem Stück „Der junge Gelehrte", das von der Theatergruppe der Friederike Caroline Neuber aufgeführt wurde.

Der Wunsch seines Vaters, das Studium der Theologie schnell zu beenden, erfüllte Lessing nicht. Er widmete sich eher verschiedenen Themen und Vorlesungen, zu denen zum Beispiel der Besuch bei dem berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann zählte.

Auf der Flucht vor seinen Gläubigern mußte Lessing 1748 Leipzig verlassen. Nach einer kurzen Episode in Wittenberg bereitete Lessing heimlich den Weg zu seinem Zielort vor. Nach Berlin, in die Stadt des aufgeklärten Journalismus, zog es den jungen Gelehrten. Hier fand er eine Anstellung als Rezensent und Wissenschaftsredakteur bei der "Berlinischen Privilegierten Zeitung". Nebenbei beschäftigte sich Lessing mit Übersetzungen und gründete eine Theaterzeitschrift. Mit seinen Freunden Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn kam es bald zu aufklärerischen Diskursen, bei denen er Anregungen für seine schriftstellerischen Arbeiten fand. Der Grundgedanke dieser Geistesrichtung setzte die Vernunft an die oberste Stelle seines Handelns. Durch überlegtes und selbständiges Handeln sollte der Mensch frei werden von allen Zwängen.

Durch seine Beiträge in der Theaterzeitschrift und die Auseinandersetzung mit den Ideen Aristoteles´ und Shakespeares machte Lessing die Dramentheorie zu seinem Metier.
Lessings Kritiken in den "Beiträgen zur Historie und Aufnahme des Theaters" verbanden Aufführungskriterien mit dramengeschichtlichen Erörterungen. In zahlreichen Briefen wandten sich die Leser an den Herausgeber Lessing, einige holten sich Ratschläge und Kritik zu ihren eigenen Werken. Bald war sein Einfluß so groß, daß von seinen Stellungnahmen Erfolg oder Mißerfolg eines Stückes abhingen. "Sagt er die Schrift sey gut, so druckt sie jedermann", so ein Zeitgenosse Lessings 1755. Daneben schrieb er weiterhin Gedichte, Fabeln und Erzählungen und konnte bereits 1753 eine sechsbändige Ausgabe seiner Werke herausgeben. Auch eine Bildungsreise durch Europa gehörte zu den selbstgesetzten Verpflichtungen eines aufgeklärten Geistes. Dies konnte Lessing zwar noch planen und beginnen, nicht jedoch fortsetzen, da ihm die politischen Wirren zuvorkamen. Der Siebenjährige Krieg war ausgebrochen, und Lessing kehrte von Amsterdam nach Berlin zurück.
In seinen „Briefen die Neueste Litteratur betreffend", die er zusammen mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn herausgab (1759), erklärte sich Lessing zum ersten Mal deutlich gegen die französische Klassik und Johann Christoph Gottsched und für Shakespeare. Mit der Herausgabe der „Briefe", die gemeinsam mit der „Hamburgischen Dramaturgie" zur eigentlichen theoretischen Grundlegung des deutschen Dramas wurden, beendete Lessing seine journalistische Laufbahn.
Wiederum Geldschwierigkeiten bewegten ihn zu der Annahme einer festen Stelle als Sekretär des preußischen Generals Bogislaw von Tauentzien in Breslau. Dort verdiente er endlich regelmäßig Geld und widmete sich einem intensiven "Wirtshausleben" (Goethe). In Breslau entstand aber auch Lessings berühmtes Drama "Minna von Barnhelm" (1767), dem die kunsttheoretische Schrift "Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie" (1766) ideengeschichtlich vorausging.

1767, auf der Flucht vor sich selbst und den Zwängen des bürgerlichen Lebens verließ Lessing Breslau, um abermals nach Berlin zurückzukehren. Es hielt ihn aber nicht lange, denn in Hamburg bot man ihm die Chance, als Dramaturg und Stückeschreiber des neu gegründeten Hamburger Nationaltheaters ein Auskommen zu finden. Das ehrgeizige Projekt wollte deutsche Dramatiker fördern, die Ausbildung der Schauspieler garantieren und ein niveauvolles Repertoire bieten. Doch das Publikum und der finanzielle Erfolg blieben aus. 1770 eröffnete sich Lessing eine neue Zuflucht als Bibliothekar in dem einsamen Wolfenbüttel. Rettung gewährten ihm die Theologie und der Entschluß 1776 eine Familie zu gründen, doch schon zwei Jahre später wurde ihm die geliebte Frau Eva König entrissen. Lessing selbst plagte seit einigen Jahren eine Krankheit, die ihn mehr und mehr behinderte.

Dennoch hatte er Kraft genug, auch nach vielen literarischen Kämpfen sich dem gefährlichsten Gegner zu stellen: der lutherischen Orthodoxie. Lessing wurde in Hamburg ein antidogmatisches, radikal aufklärerisches Manuskript von Samuel Reimarus übergeben. Er ließ es, ohne mit seinem Inhalt voll übereinzustimmen, als "Fragmente eines Unbekannten" 1774 erscheinen. Die "Fragmente" führten zu einer ungeheuren Erregung, wurde doch hier sogar die göttliche Natur Christi bestritten. Der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze gab eine heftige Antwort. Lessing erwiderte mit den sehr ironischen „Anti-Goezes" (1778). Der Herzog von Braunschweig schützte Lessing, mußte ihm aber die weitere theologische Publizistik untr dem Druck der Kirche entsagen. Mit „Nathan dem Weisen" (1779), seinem wohl bekanntesten Drama, wich Lessing in die Dichtung aus.
Nur zwei Jahre später, am 15. Februar 1781, starb Lessing vereinsamt in Braunschweig.

Literatur:

  • Lessing, Gotthold Ephraim: Werke. 3 Bände, Darmstadt 1994.
  • Lessings Leben und Werk in Daten und Bildern, Frankfurt/ Main 1967.
Kontaktadressen:
  • Lessing Gesellschaft

  • Rolf Appel
    Mundsburger Damm 60
    22087 Hamburg .
  • Uwe Kurt Stade

  • Buchwaldstraße 111
    22143 Hamburg .

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