Randy Kricheldorf, Klasse 13/1 Deutsch Grundkurs:

Analyse des 3. Aufzugs, 8. Auftritts



Beim erstmaligen Lesen habe ich den Text nicht richtig verstanden, mir ist eigentlich nur aufgefallen, daß der Text in zwei Hauptgedanken aufgeteilt ist, Einmal das Geständnis des Tempelherren der Liebe gegenüber Recha und die Gedanken an den Tod seines Vaters.

Beim näheren betrachten des Textes ist mir - wie ich glaube - eine philosophische Frage aufgefallen "was Entschluß" (Zeile 2122 und 2123)- wenn dort ein ist stehen würde, dementsprechend "was ist Entschluß" wäre es eine philosophische Frage, aber ich bin der Ansicht, daß es dennoch eine ist, weil die Sprache so war - die dann so beantwortet wurde "Entschluß ist Vorsatz, Tat". Der Tempelherr hat diese Frage philosophisch für sich beantwortet, aber sie für sich nicht komplett vollzogen. Denn, er hatte den Vorsatz Recha seine Liebe zu gestehen, aber er setzte das vorerst nicht in die Tat um. Denn er weiß, auch wenn er seine Gefühle mit Recha vereint, wird er eins bleiben und Recha eins bleiben. Der Tempelherr stellt sich eine weitere philosophische Frage "Was ist Liebe: ....." (Zeile 2129). Der Autor verwendet unter anderen auch eine Hyperbel "von ihr getrennt zu Leben, ist mir ganz undenkbar; wär´ mein Tod, - und wo wir immer nach dem Tode sind, auch da mein Tod." (Zeile 2126 bis 2129). In dieser Hyperbel verwendet Lessing einen Gedankenstrich, welche allerdings in dem gesamten Aufzug sehr häufig vorkommen.

Der Tempelherr spricht vom Tod ohne Recha, wenig später sagt er aber, daß er ohnehin schon Tod war, von dem Augenblick an, wo er Gefangener Saladins wurde"Ich Tempelherr bin tot, war von dem Augenblick ihm tot, der mich zu Saladins Gefangenen machte." (Zeile 2135 bis 2137). Darauf sagte er aber gleich, daß er noch einmal starb, als Saladin ihm seinem Kopf schenkte und er sich in seiner Ehre verletzt fühlt, da sein Tod weniger wert ist für den väterlichen Himmel, als der Kopf eines, noch grün hinter den Ohren jungen - vom Alter jung ist mit Jungen gemeint - "Den Kopf, den Saladin mir schenkte, wär´ mein alter?" (Zeile 2137 bis 2138) wird ich als "Den Kopf den Saladin mir schenkte, wegen meines Alters?" auslegen "Ist ein neuer; der von allem nichts weiß, was jenem eingeplaudert ward, was jenem band.. - Und ist ein bessrer; für den Väterlichen Himmel mehr gemacht." (Zeile 2138 bis 2142). An dieser Stelle erkennt der Tempelherr auch oder es fällt ihm wieder ein, daß man ihm von Kindes an erzählt hat, daß sein Vater an diesem Ort der Kopf abgeschlagen werden sollte, gefallen ist, was aber eine Lüge war. Für diese Lüge hat der Tempelherr aber immer Beifall geerntet, weil jeder im Land des Vaters Tat und Tot bewunderte (Zeile 2143 bis 2149).

Im letzten Teil des Textauszuges sagt der Tempelherr unter anderem "Ich will mit Männern lieber fallen, als mit Kindern stehn." (Zeile 2150 bis 2151). Diesen Satz sehe ich als sehr hochtrabend und unangebracht an, denn ich denke, daß er ihn auf den oberen Teil bezieht und damit ausdrückt, daß er lieber im Krieg fällt und nicht wie ein Junger, der noch grün hinter den Ohren ist, den Kopf abgeschlagen bekommt. Er will sich nicht auf diese Stufe stellen, deswegen ist es für ihn die größte Beleidigung, als ihm der Kopf noch nicht abgeschlagen war. Außerdem beleidigt er damit seinen Vater, den - sowie ich es herausgelesen habe - der Kopf abgeschlagen worden ist.

Im letztem Teil verwendet der Autor einen Dialogismus "Sein Beifall bürget mir Für seinen Beifall. Und an wessen Beifall liegt mir den sonst? - An Nathans? - O, an dessen Ermuntrungen mehr, als Beifall, kann es mir Noch weniger gebrechen." (Zeile 2151 bis 2155). Wobei sich der Textauszug von mehreren Dialogismen ernährt..

Der Tempelherr rast von einem Gedanken zum nächsten in seiner impulsiven Emotionalität. In diesem Abschnitt ist der Tempelherr ganz besonders schwer zu durchleuchten und zu verstehen. Bei einem Satz "Welch ein Jude!" (Zeile 2155) wußte ich nicht so richtig etwas mit anzufangen. Ich sah diesen Satz erst sehr ironisch, vor allem schon wegen seinem Satz danach "Und der so ganz nur Jude scheinen will" (Zeile 2156), aber er ist wirklich ironisch gemeint, denn ich bin der Ansicht, daß der Tempelherr Nathan als sehr humanen, empfindlichen Menschen mit seinem übergöttlichen Glauben schätzt und er sich im nächsten Moment auch freut, ihn zu sehen "Da kommt er; kommt mit Hast; glüht heitere Freude." (Zeile 2157).

Lessing schreibt diesen Abschnitt in einem sehr lockeren Stil, es werden viele Gedankenstriche sowie Satzzeichen in Sätzen verwendet, zum Beispiel Fragezeichen und Ausrufezeichen. Der Monolog ist mit vielen Gedankengängen und Selbstkritik versehen. Am Anfang des Textes verwendet der Autor noch eine Anapher "Ich mag nicht, mag nicht näher wissen, was in mir vorgeht; mag vorraus nicht wittern, was vorgehn wird."(Zeile 2112 bis 2114).

Das Liebesgeständnis des Tempelherrs ist sehr rasend, und teilweise sehr unschlüssig, weil er selber nicht weiß, ob es Liebe ist, aber er ohne sie nicht mehr leben kann.
 

Legende:

  • Texte, die kursiv Zwischen zwei Gedankenstriche stehen ( - zum Beispiel - ) sind meine Gedankengänge
  • rot geschriebene Texte und zwischen Anführungszeichen stehen sind als Zitate aus dem Buch "Nathan der Weise" übernommen
  • Wörter 1199 (meint jedenfalls die Statistik von meinem Computer)
Literatur:

Der kurze Handlungsablauf wurde aus dem kurzen Referat (welches sich ebenfalls bei www.Referate.de befindet) über Nathan der Weise herrauskopiert, der Rest ist selber analysiert.